Blickrichtung

Natürlich ist es wichtig,

auch aus dem Fenster zu schauen,

zu entdecken, was Draußen alles passiert,

sich einen Eindruck zu verschaffen,

von all den Dingen, die man sonst verpasst hätte.

Und von Zeit zu Zeit passiert es ja doch,

dass man auch etwas Nützliches ersieht,

das verborgen geblieben wäre,

wenn man nur in das Fenster hineingeblickt hätte.


- Steffen Woideck -

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Katzenleben

Und dann hat sie mich, 

mitten im sonst recht interessanten Gespräch 

– wenn man sich den Verlauf der Themen und die Situation des hinzutretenden Sonnenlichts vor Augen führt – 

einfach gefragt, 

ob es denn einen Sinn macht, 

sich eine Katze zu halten. 

Als ob sie nicht wisse 

– und dies fällt mir schwer zu glauben, da sie ja gebildet ist, voll Weltoffenheit und weitblickend lebend –

als ob sie also nicht wisse, 

dass Katzen 

stets 

uns Menschen halten.


- Steffen Woideck -

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Klangwelt

musik spielt

spielt musik

spielmusik

musikspiel

mann spielt

spielt man

spielmann

spielt man musik

musik spielt man

mann spielt musik

spielt musik

musik spielt


- Steffen Woideck -


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Gerüstet

Ermutigt auf dem Weg zu gehen


Viele haben bereits beschrieben wie,

Und dass es doch nichts Schöneres gibt.


Den Teil der eigenen Habseligkeiten 

Gepackt in unterteilende Taschen,

Tragend auf dem Rücken, als hätte man Kraft für die gesamte Welt.


Ausgerüstet stehend erneut 

Am Beginn des schon schwindenden Tages

Bereit, um auch den tiefgehenden Fragen der Zeit 

Antworten zu leihen.


Rastend, um erkennen zu können

Wie doch dank all der Vorbereitungen und Tatendrängen

Und all der Entgegnungen und Begegnungen der Zeit

Im liebenden Miteinander und Füreinander verdeutlicht,

Dass auch eine fünfte Zeile längst nicht reicht.


- Steffen Woideck -


  

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Dankbarkeit

Voll tiefer Dankbarkeit,

gelassen in sich ruhend,

zufrieden sitzen

auf dem Stuhl 

der daneben steht.


Durch Freude erfüllt,

glücklich und beseelt,

respektvoll 

betrachten, wer am Stuhl 

vorüberzieht.


Nicht vorne stehend,

große Reden schwingen,

nicht in der Masse 

sitzend,

still applaudierend.


Sondern demütig

daneben sitzen,

voll Gewissheit, dass der Stuhl

bereits im Allerheiligsten 

ist.


- Steffen Woideck -


  

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Beobachtung

Jedes Beobachten birgt die Gefahr, dass sich ein Lebewesen über ein anderes stellt; 

dass sich Ebenen verschieben, Mächte wechseln, 

Gedanken in eine Richtung voranschreiten, die das Gute verlässt.


Überall dort, wo das Beobachten dazu dient, eine Abgrenzung aufrecht zu erhalten, 

Mauern unüberwindbar zu gestalten und Türen zu schließen, 

muss die Frage dringend danach gestellt werden, 

ob man sich auf der richtigen Seite befindet. 


Handlungen, die aus einem Beobachten heraus geschehen, 

wirken immer durch den Filter 

der eigenen Begrenztheit hindurch.



- Steffen Woideck -


  Foto: Befestigungsmauer der Cité de Carcassonne (Okzitanien) mit Wachturm

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